Beim Longieren sehe ich häufig folgendes Bild: Das Pferd läuft konstant im Kreis um den Menschen herum.
Immer im gleichen Radius, immer auf der gleichen Linie.
Genau hier setze ich bewusst anders an.
Ich lasse Pferde nicht dauerhaft um mich herum zirkeln, sondern arbeite mit der ganzen Bahn und nutze Zirkel und Volten gezielt – abhängig vom Pferd, seinem Körper und seiner Balance.
Der Kreis ist für mich kein Dauerzustand, sondern ein Werkzeug.
Warum das so wichtig ist, zeigen die folgenden typischen Fehler sehr deutlich:
Fehler 1 – Endlos auf der Tour – zu wenig Linienwechsel & Variation
Woran erkenne ich das?
Das Pferd läuft Runde um Runde im gleichen Muster um einen rum. Es wirkt monoton, wird fest oder „schaltet ab“.
Was ich dabei ebenfalls sehr oft sehe: Kopf und Hals bleiben dauerhaft hoch, der Rücken kommt nicht ins Schwingen – es wird eilig oder läuft einfach nur „dahin“, ohne wirklich loszulassen. Für echte Gymnastizierung braucht es Losgelassenheit – nicht nur Runden.
Oft tauchen dabei Ausweichmuster auf (Schulter kippt, Hinterbein rotiert), je länger die Tour gleich bleibt.
Was stattdessen tun?
Du kannst am Zirkel beginnen – wichtig ist nur: nicht endlos im gleichen Radius bleiben. Mir ist wichtig, relativ rasch auf die ganze Bahn zu gehen, damit sich das Pferd auf der Geraden ausbalancieren kann.
Wechsle früh zwischen ganzer Bahn, Bögen und größerem Zirkel und setze Volten kurz und gezielt ein – nur so lange, wie dein Pferd den kleineren Radius ohne Ausweichen halten kann.
Fehler 2 – Es wird nur der Hals gebogen, nicht der Körper
Woran erkenne ich das?
Kopf und Hals sind nach innen „gestellt“, aber der Rest vom Körper bleibt eher gerade.
Vorne wird es fleißiger, hinten kommt weniger nach – und der Rücken wirkt fest.
Was stattdessen tun?
Weniger auf „Form“, mehr auf Takt, Tempo und Losgelassenheit achten.
Echte Biegung entsteht im ganzen Körper – nicht im Hals.
Fehler 3 – Das innere Hinterbein kann den Radius nicht halten
Hier passiert das Entscheidende oft unten im Detail.
Woran erkenne ich das?
Einer der Hinterhufe (oft der innere) dreht beim Auffußen im Sand, statt sauber vor-unter zu fußen (tritt nicht unter den Schwerpunkt).
Das ist ein Zeichen, dass der Zirkel gerade zu klein ist oder das Pferd die Linie körperlich nicht halten kann.
Was stattdessen tun?
Den Zirkel sofort öffnen oder die Tour verlassen.
Zurück auf größere Linien oder ganze Bahn, bis das Pferd wieder stabil fußt.
Das ist kein Ungehorsam, sondern ein klares körperliches Signal!
Fehler 4 – Linie und Tempo bleiben unverändert
Woran erkenne ich das?
Reaktionen werden verzögert, Übergänge unsauber.
Das Pferd „läuft“, ist aber mental und körperlich wenig präsent.
Was stattdessen tun?
Linien und Tempo bewusst variieren:
Ganze Bahn → Bogen → kurze Volte → wieder lösen.
Merkt man, dass das Pferd im Autopilot ist, kurz anhalten und neu beginnen.
Fehler 5 – Der Mensch „hält“ das Pferd auf der Tour (statt es zu führen)
Das ist der Punkt, der ganz oft die Ursache ist, warum Touren kippen: nicht das Pferd – sondern die Art, wie wir die Tour begleiten.
Woran erkenne ich das?
Eine leichte Spannung auf der Longe ist für mich wünschenswert – ich arbeite selbst gern mit ruhigem Kontakt, um den Kopf fein begleiten zu können.
Problematisch wird es, wenn aus Verbindung Ziehen wird: Das Pferd wird nach innen gezogen oder nach außen weggeschickt, und ich muss ständig treiben, bremsen oder die innere Schulter kontrollieren, damit die Tour überhaupt hält – statt nur ruhig zu begleiten.
Was stattdessen tun?
Stell dir vor: Die Linie führt – nicht die Hand zieht.
Halte die Longe so, dass du Verbindung hast, aber nicht trägst. Arbeite mehr über deine Körperposition, Atmung, Tempo und kurze, klare Signale – und gib dem Pferd wieder die Chance, sich selbst zu organisieren.
+1 Bonus – Der Tour kommt zu früh
Viele der genannten Fehler entstehen, wenn die Tour verlangt wird, bevor das Pferd sich überhaupt sortieren konnte.
Woran erkenne ich das?
Mehrere Punkte treten gleichzeitig auf: Schulter kippt, Hinterbein rotiert, Spannung steigt.
Was stattdessen tun?
Immer zuerst Geraderichtung und Balance auf der ganzen Bahn herstellen.
Touren und Volten erst dann einsetzen – kurz, gezielt und jederzeit wieder auflösbar.
Fazit
Ich longiere Pferde nicht „im Kreis“, sondern über Linien, Raum und gezielte Radien.
Die ganze Bahn ist für mich die Basis.
Touren und Volten sind Werkzeuge – keine Dauerlösung.
So wird Longieren zu dem, was es sein soll: Gymnastik, Gesunderhaltung und verständliche Körperarbeit.
Manchmal verändert ein kleiner Linienwechsel mehr, als man denkt. 🧡

